8. März 2019

Quellensteuer auf Werbekosten für Online-Adds?

Mainz, den 08.03.2019 – Die Finanzverwaltung hat einen neuen Ansatz zur Besteuerung ausländischer Tech-Konzerne wie Google, Amazon und Facebook für sich entdeckt. Vorreiter hierbei ist die bayerische Finanzverwaltung, die gegenüber einigen mittelständischen Unternehmen bereits Haftungsbescheide zur Zahlung von Quellensteuern auf Werbekosten erlassen hat. Im Kern geht es um die Frage, ob die Schaltung von Werbung bei im Ausland ansässigen Unternehmen wie Google oder Facebook zu einer Quellensteuereinbehaltungspflicht i.H.v. 15% auf die Vergütung für die Werbung bei dem deutschen Werbetreibenden führt. Der deutsche Werbetreibende müsste somit abhängig von der vertraglichen Regelung mit dem ausländischen Werbeanbieter entweder 15% vom Rechnungsbetrag einbehalten und an das Finanzamt abführen oder aus eigener Tasche zusätzliche 15% an den Fiskus zahlen.

Eine solche Quellensteuerabzugsverpflichtung setzt voraus, dass eine Überlassung von Know-How gem. §§ 50a Abs. 1 Nr. 3, 49 Abs. 1 Nr. 9 EStG vorliegt. Dies sei nach teilweise vertretener Ansicht der Finanzverwaltung bei Online-Werbung der Fall, weil dem Werbenden vom Anbieter der Online-Werbeleistungen dessen Algorithmus zur gezielten Schaltung von Werbung überlassen werde. Hiergegen werden in der steuerrechtlichen Fachliteratur bereits erhebliche Zweifel ins Feld geführt. Insbesondere ist zu beachten, dass dem Werbetreibenden regelmäßig kein Nutzungsrecht an dem Algorithmus überlassen wird, sondern vielmehr eine reine Dienstleistung verkauft wird.

Für Unternehmen, die hohe Ausgaben für Online-Werbung haben, bedarf es angesichts dieser neuen Rechtsentwicklung einer bedarfsgerechten Analyse der individuellen Situation und einer Risikobewertung sowie weiterführender Tax-Compliance Maßnahmen. Wir stehen Ihnen hierbei für Ihre Fragen gerne zur Verfügung.